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Morgensternhaidvogel

HERMINE HAIDVOGEL, SALZBURG
DIE BLUTSÄULE. ZEICHEN UND WUNDER AM SERETH
SOMA MORGENSTERNS TOTENBUCH FÜR DIE OPFER DER SHOAH
Wenn die jüdischen Städtel noch existierten, würden sie für mich nur einer fernen Vergangenheit angehören; da sie vernichtet, so ausgerottet worden sind, dass nichts von dem, was sie gewesen sind und hätten werden können, in die Zukunft hinüberreichen kann, gehört Zablotow nunmehr zu meiner Gegenwart. Es ist in meinem Gedächtnis beheimatet. Vergessen verlängert die Zeit des Exils, das Geheimnis der Erlösung liegt in der Erinnerung SCHREIBEN NACH AUSCHWITZ – EINE EINLEITUNG
Viele Schriftsteller und Theoretiker setzten sich seit dem Ende des Nationalsozialismus mitder Frage auseinander, ob künstlerisches Schaffen nach den begangenen Greueltaten in denKonzentrationslagern überhaupt noch Sinn hätte, ja, überhaupt noch möglich wäre − allenvoran Theodor W. Adorno, ein Zeitgenosse und Bekannter2 des österreichischenSchriftstellers Soma Morgenstern, der (von der literarischen Öffentlichkeit kaum bemerkt)1976 im New Yorker Exil starb, und für den − radikaler noch − der Grundsatz galt, „daßein jüdischer Schriftsteller, der sich von diesem ungeheuren Geschehen abwendet undseinem Beruf weiter nachgeht wie bisher, es nicht verdient, die Mörder überlebt zu haben“ 3 Die folgende Analyse von Soma Morgensterns „Totenbuch“ steht im Kontext der Lebensgeschichte dieses heute nahezu vergessenen österreichischen Schriftstellers undseiner weiteren Werke, v.a. seiner Trilogie Funken im Abgrund, wobei MorgensternsSprach- und Formgebung und die genaue Charakterisierung der handelnden Personen imZentrum der Betrachtung stehen und dem „Legendenhaften“ der Zeichen und Wunder amSereth sowie der religiösen Tradition der Ostjuden nachgegangen wird.
Das letzte Kapitel der Arbeit knüpft an Soma Morgensterns Definition eines jüdischen Buches an: „Ein Buch, das nicht in Hoffnung endet, nicht hoffnungsvoll ist, ist keinjüdisches Buch. [.] Und wir hoffen natürlich auf Erlösung.“4 Das Thema der „Erlösung“zieht sich vom vorangestellten Zitat aus der Bibel wie ein Bogen bis zur letzten Seite derBlutsäule und verleiht diesem traurigen und schweren Buch letztlich doch einen positiven
1 Diese Zeilen des Begründers des Chassidismus findet man in Jad Vaschem, Israels nationaler Gedenkstätte
zur Erinnerung an die Shoah.
2 Zum Freundes- und Bekanntenkreis Soma Morgensterns zählten der Dirigent Otto Klemperer, der Architekt
Josef Frank, der Lyriker Abraham Sonne, die Komponisten Hanns Eisler, Anton Webern, Ernst Køenek und
Alban Berg, die Schriftsteller Robert Musil, Hermann Broch, Elias Canetti und Joseph Roth. Morgenstern
gehörte zum Kreis des Ateliers von Alma Mahler, und keine Geringeren als Hermann Hesse und Stefan
Zweig waren Bewunderer seiner Trilogie. − Vgl. u.a. S. Morgenstern: Alban Berg und seine Idole. Lüneburg1995.
3 S. Morgenstern: Die Blutsäule. Zeichen und Wunder am Sereth. Hg. v. I. Schulte. Lüneburg 1997, S. 13. [Inder Folge zit. als B mit Angabe der Seitenzahl.]4 B 193.
Aspekt, der für alle Überlebende des Holocaust, so auch für Soma Morgenstern, notwendigwar (und ist), um nach diesen furchtbaren Geschehnissen weiterleben zu können.
DIE VERNICHTUNG DES OSTJUDENTUMS –
UNTERGANG DER WELT SOMA MORGENSTERNS
Ostjude in Wien – Flucht – Exil: Stationen im Leben Soma Morgensterns
Soma Morgenstern wird 1890 in einer ostgalizischen Gemeinde bei Tarnopol am FlussSereth geboren. Sein Vater, ein gelehrter Chassid5, erzieht ihn nach orthodox-jüdischerTradition, ist es aber auch, der ihm die Wichtigkeit der deutschen Sprache neben seinerMuttersprache Jiddisch ans Herz legt. So wächst Morgenstern sehr früh in einermehrsprachigen Welt auf und beherrscht neben Jiddisch, Hebräisch, Ukrainisch, Polnischund Deutsch auch Latein, Griechisch, Französisch und Englisch. 1912 übersiedeltMorgenstern nach Wien, um ein Jurastudium zu beginnen und lernt hier bald schon denebenfalls aus Galizien stammenden Schriftsteller Joseph Roth kennen, mit dem ihn einelebenslange Freundschaft verbinden wird.6 In den Zwanziger Jahren geht er nach Berlinund arbeitet ab 1927 als Journalist für die Frankfurter Zeitung, als derenKulturkorrespondent er 1928 nach Wien zurückkehrt. Dort heiratet er Ingeborg vonKlenau, Tochter des berühmten Komponisten Paul von Klenau.
1930 beginnt Morgenstern mit der Arbeit an seiner Romantrilogie Funken im Abgrund, geht 1934 aus Protest gegen das Dollfuß-Regime ins Pariser Exil, kehrt kurz danach nocheinmal nach Wien zurück, von wo aus er jedoch am Tag von Hitlers Einmarsch inÖsterreich 1938 erneut nach Paris fliehen muss, um hier gemeinsam mit Joseph Roth biszu dessen Tod im Hôtel de la Poste zu leben. 7 Nach Aufenthalten in mehrerenfranzösischen Internierungslagern gelingt ihm schließlich 1941 die Flucht über Casablancaund Lissabon nach New York, wo er bis zu seinem Tode 1976 mit seiner Frau unter sehrbescheidenen Verhältnissen lebt.
Während des Krieges lässt eine schwere Schreibkrise Morgenstern Jahre lang verstummen, bis er sich vornimmt, „ein Buch zu schreiben, wie es einer vermöchte, der inseinem Leben nichts anderes gelesen hätte als die Bibel.“8 Die Blutsäule. Zeichen undWunder am Sereth ist ein „Totenbuch“ zum Gedenken an die Opfer des Holocaust, einNekrolog auf die untergegangene und ausgerottete Welt des Ostjudentums, „das dichteste,das schwierigste und das fremdeste unter seinen Werken“ 9 und „eines der eigenartigstenund wichtigsten Werke, die sich die ebenso schwierige wie heikle Aufgabe gestellt haben,die Shoah dichterisch zu verarbeiten.“10 5 Chassid bedeutet „Frommer“. Der Chassidismus war eine mystisch-religiöse Volksbewegung imosteuropäischen Judentum, als deren Begründer Rabbi Israel ben Elieser (1699-1760) gilt, auch Baal-Schem- Tow oder Bescht genannt. Aus einer tief empfundenen Religiosität führten die Chassidim ihr gesamtes Lebenals einen freudigen Gottesdienst, dazu gehörte die Weihung der alltäglichen Dinge und eine spezifischeDemut ebenso wie ein neues Naturempfinden, Gesang, religiöser Tanz und ekstatische Erfahrungen. Der Rabbinismus des 18. Jahrhunderts und die spätere jüdische Aufklärung, die Haskala, waren entschiedeneGegner des Chassidismus. Vgl. dazu: Glossar hebräischer und jiddischer Ausdrücke. In: B 167-173.
6 Vgl. S. Morgenstern: Joseph Roths Flucht und Ende. Lüneburg 1994.
7 Vgl. Morgenstern, Roth, 1994.
8 B 13.
9 Ingolf Schulte: Nachwort des Herausgebers. In: B 175-193, hier B 175.
10 Armin Eidherr: Selbst Satan wandte sein Engelgesicht ab. Soma Morgensterns Die Blutsäule. In: Literaturund Kritik, H. 323/324 (1998), S. 91.
Chassidische Wurzeln, Assimilation, Bedrohung der Juden –
Die Trilogie Funken im Abgrund
Schon Soma Morgensterns Trilogie Funken im Abgrund mit den drei Romanen Der Sohndes verlorenen Sohnes, Idyll im Exil und Das Vermächtnis des verlorenen Sohnes11, die er1943 im amerikanischen Exil beendet, widmet sich den Fragen, denen sich die Juden inihrer Jahrhunderte langen „europäischen“ Geschichte immer wieder zu stellen hatten unddie gerade um die Jahrhundertwende in Wien Grundlage vieler Diskussionen undStrömungen bildeten: Sollen sich die Juden an das Volk des „Gastgeberlandes“ anpassen?Sollen sie ihre eigene religiöse Tradition und Kultur zugunsten der herrschendenaufgeben? Oder sollen sie sich auf die Wurzeln ihrer Herkunft besinnen und diese leben? In der Trilogie, die die Geschichte des jungen assimilierten Wiener Juden Alfred Mohylewski erzählt, der durch einen längeren Aufenthalt bei seinem Onkel in Ostgalizienden Sinn jüdischer Existenz entdeckt und letztlich zum Glauben seines Volkeszurückfindet, werden dem Leser diese Fragestellungen mit ebensoviel Humor wie Trauer,und v.a. mit sehr viel Liebe (zu den handelnden Personen) nähergebracht.
Den Charme und die Größe dieses bedeutenden jüdisch-österreichischen Romans haben sowohl Hermann Hesse als auch Stefan Zweig12 − der durch die Vermittlung desManuskriptes an den Verleger Erich Reiss wesentlich zur Herausgabe der Trilogie beitrug− bald erkannt, liegt in ihm doch „die Idealvorstellung eines auf gegenseitiger Achtungberuhenden harmonischen Zusammenlebens ihrer Eigenart und Individualität bewußtengesellschaftlichen Einheiten zugrunde.“13 Dennoch spürt man in diesem Roman deutlich die antisemitische Bedrohung durch die polnischen und ukrainischen Nachbarn (versinnbildlicht etwa im Mord an dem kleinenLipale), die später zum Genozid an den Juden Ostmitteleuropas führen sollte. Als„wahrscheinlich einzigartigen Fall in der Geschichte der Weltliteratur“, bezeichnete SomaMorgenstern die Tatsache, dass seine Trilogie nur wenige Monate nach ihrer Vollendungvom „zeitgenössischen Werk zum historischen Roman“ 14 geworden war. Die Zerstörungjener Welt „von gestern“, der er wie auch Roth entstammte, stürzte den Schriftsteller ineine tiefe Krise, aus die ihn erst die Veröffentlichung der Blutsäule als literarischesZeugnis für „eine in unsäglicher Brutalität zerschlagenen Welt, die auf immer verloren[war],“15 wieder herausführen sollte.
11 S. Morgenstern: Der Sohn des verlorenen Sohnes. Lüneburg 1996; Ders.: Idyll im Exil. Lüneburg 1996;Ders.: Das Vermächtnis des verlorenen Sohnes. Lüneburg 1996.
12 Stefan Zweig über Idyll im Exil: „Alles Gute gesegneter Kunst ist hier beisammen: Farbe, Licht, Kraft,Spannung – ein Buch, das Anspruch hat als klassisches jüdisches Buch zu gelten.“ In: Morgenstern, Idyll,1996 [Covertext].
13 So das Urteil Ernst Kreneks. Zit. in: Morgenstern, Vermächtnis, 1996, S. 366.
14 Morgenstern rückblickend im Jahre 1975, zit. in B 175: „Sechs Monate nach Vollendung der Trilogiebegannen die entsetzlichen Nachrichten und Dokumente von der Vernichtung der osteuropäischen Judenheiteinzutreffen. Die Tinte, mit der das Manuskript geschrieben worden war, war kaum getrocknet, als auf diese Weise das zeitgenössische Werk zum historischen Roman wurde. “15 Schulte 1997, B 176.
DIE BLUTSÄULE – EIN N EKROLOG FÜR DIE OPFER DER SHOAH
Schreibhemmung, Sprachkrise, Depression
Die Blutsäule. Zeichen und Wunder am Sereth entstand mit einer Reihe vonUnterbrechungen in den Jahren 1946-1953. Im „Motivenbericht“, einem Vorwort, dasSoma Morgenstern für die israelische Ausgabe des Romans verfasste, schrieb er 1974 überdas Gefühl, Jahre lang „Schriftsteller ohne Sprache“16 gewesen zu sein: Der Verfasser, obgleich kein Historiker, fühlte sich verpflichtet, alle ihm erreichbaren schriftlichen,mündlichen, bildlichen und namentlich filmbildlichen Zeugnisse des ungeheuersten Verbrechens der Weltgeschichte zu erforschen, ehe er sich unterstehen konnte, eine solche Schrift zu wagen.
Allein, die Qual dieser Zeugnisse, namentlich die, die im Film zu sehen waren, war zu groß für ihn,und er ist am Übermaß der Pein sprachlos geworden. Das will sagen: in keiner von den Sprachen, die ihm zugänglich waren, hatte er auf einmal Sprache genug für dieses geplante Totenbuch.
Monate, Jahre – jawohl, Jahre – litt er an dieser Sprachlosigkeit; und sooft er sie zu überwindenversuchte und die Feder in die Hand nahm, auch an Schreiblähmung.17 Und schon in seinen Tagebucheinträgen des Jahres 1949 liest man über diese Krise: Ich habe mich in die Deutschen so verhaßt, daß ich auch die deutsche Sprache nicht lieben kann.
Und ein Schriftsteller, der seine Sprache nicht liebt, hat keine Sprache. 18 Wie so viele Verfasser autobiografischer Texte19 zur Verarbeitung der Shoah, kämpft auchSoma Morgenstern mit der Sprache, die sich „angesichts des Erlebten als inadäquat erweistund dennoch unverzichtbar ist.“20 Mona Körte spricht von einer echten Verzweiflung anden Möglichkeiten von Sprache überhaupt „angesichts der Schwierigkeit, das Erlebtedarstellen zu können. [.] Die Sprache hat zugleich Opfern wie Tätern gedient, hatverraten, Befehle übermittelt. Sie hat wie die Schreibenden selbst Schaden genommen, istGefangene ihrer Vergangenheit.“21 So quält sich Morgenstern damit, einen Aufschreigegen das Verstummen zu artikulieren. Die Zeit des Schreibens ist ein einziges Ringen,diesem Verstummen zu trotzen. Auch nachdem das Buch fertig ist, zweifelt er daran, ob esin deutscher Sprache überhaupt erscheinen, oder ob er es nicht ins Hebräische übersetzenund dann erst herausgeben soll. Abraham Joshua Heschel22 rät ihm jedoch davon ab:„Vielleicht war Ihr Weg von einem Dorf in Ostgalizien nach Wien, nach Berlin, nachFrankfurt nur dazu vorausbestimmt, daß dieses Gericht über die Mörder und der Trost für 16 S. Morgenstern: Tagebuch, H. 13 [Amerikanisches Tagebuch (1949)], Eintrag v. 18.05.1949 [Nachlass].
In: B 177.
17 B 7.
18 Ebd.
19 Stellvertretend hierfür seien an dieser Stelle genannt: Jean Heinemann: Auschwitz. Mein Bericht. Berlin1955; Renata Yesner: Jeder Tag war Jom Kippur. Eine Kindheit im Ghetto. Frankfurt/M. 1995; Ruth Klüger: Eine Jugend. Göttingen 1992.
20 Mona Körte: Der Krieg der Wörter. Der autobiografische Text als künstliches Gedächtnis. In: NicolasBerg, Jess Joachimsen, Bernd Stiegler (Hg.): Shoah. Formen der Erinnerung. Geschichte, Philosophie, Literatur, Kunst. München 1996. S. 198-211.
21 Ebd., S. 202.
22 Abraham Joshua Heschel (1907-1972) war Gelehrter und Philosoph, der, in Warschau geboren und einerlangen Reihe berühmter Chassidim entstammend, zu Soma Morgensterns engsten Freunden zählte. NebenMartin Buber gilt er als wichtigster Vermittler der chassidischen Lehre.
unser Volk in dieser Sprache erscheinen sollte.“23 − Ein „Trost“ vielleicht auch für denAutor selbst, der seit seiner Zeit im Exil an schweren Depressionen litt: Wie oft in den letzten Jahren dachte ich an Selbstmord. Seit 1945 verging kaum ein Tag ohnesolche Gedanken. Es ist kein Vorsatz dahinter, kein Entschluß, kein Vorhaben. Nur kann ich kein anderes Ende für mich sehen. [.] Im Grunde war es schon so in Paris. So lange also ist es schon!24 Noch mehr Trost war ihm „das Wunder der Weltgeschichte“25, die Staatsgründung Israels1948. Sie stellte die Wendung dar, die Morgenstern in „gläubiger Geduld“ 26 erwartete, siegab ihm die Hoffnung, mit deren Hilfe er die Greueltaten des NS-Regimes literarischaufarbeiten konnte, da sich daraus für die wenigen Überlebenden in der Blutsäule einePerspektive eröffnet: „Wir hier, die Hinterbliebenen, wir gehen heim. Kommenden Jahresin Jerusalem!“27 − Auch Soma Morgensterns Lebenstraum war es, nach Israelauszuwandern, ein Wunsch, den er aber aufgrund seiner finanziellen Lage nieverwirklichen konnte.
Wenn Abraham J. Heschel die Blutsäule als Midrasch28 bezeichnet, so verdeutlicht erdamit die stark religiös geprägte Auseinandersetzung des Romans mit der Shoah. 29 SomaMorgenstern, aufgewachsen in chassidischer Tradition, war stets ein gläubiger Jude undsah die jüdische Existenz mit dem Glauben aufs Engste verbunden. Die höchsteAnerkennung und Auszeichnung für ihn als Schriftsteller war sicherlich die Aufnahme vonPassagen aus der Blutsäule30 in ein jüdisches Gebetsbuch für die Liturgie an Jom Kippur 31.
Und schon der erste Absatz der Blutsäule konfrontiert den Leser mit den zentralen ThemenReligion und Glaube: Es geschah in dem Teil der Welt, wo keine wahre Religion, dieses Namens wert, je gewachsen ist; wo alle Religionen, dieses Namens wert, verdarben, starben. Es geschah [.] in Europa.32 Nach Ingolf Schulte herrschte für den gläubigen Morgenstern kein Zweifel daran, dass„jenes verhängnisvolle religiöse Defizit des christlichen Europas die Wurzel des Unheils[war]“, dass „es die jüdische Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts erst möglich 23 B 16.
24 Morgenstern, Tagebuch, H. 13 [Amerik. Tb. (1949)], S. [1]. Eintr. v. Ende März 1949 [Nachlass]. In: B180f.
25 B 10.
26 B 10.
27 B 155.
28 Midraschs sind Teile des Talmuds („Studium, Belehrung“), des wichtigsten jüdischen Sammelwerks dermündlichen Lehre, bestehend aus Mischna (Sammlung der Rabbinen) und Gemara (kommentierenderLehrteil), und zwar legendenhafte Erklärungen und Auslegungen von Bibelsprüchen und Bibelstellen.
29 Vgl. zur Shoa in diesem Zusammenhang u.a. Michael Brocke, Herbert Jochum (Hg.): Wolkensäule undFeuerschein. Jüdische Theologie des Holocaust. Gütersloh 1993; Birte Peterson (Hg.): Theologie nachAuschwitz. Eine Veröffentlichung des Instituts Kirche und Judentum. Berlin 1998; Günther Bernd Ginzel(Hg.): Auschwitz als Herausforderung für Juden und Christen. Gerlingen 1993.
30 Nehemias Gebet, Kap. 22.
31 Jom Kippur („Tag der Sühnungen“) ist der höchste jüdische Feiertag und beschließt die zehn Tage derBuße. An diesem strengen Fasttag wird von früh bis spät um Vergebung der Sünden gegen Gott und die [machte].“33 So suchte Morgenstern nach einer besonderen Sprache, die nicht den leisestenAnflug von Alltäglichkeit aufkommen ließ angesichts der großen Katastrophe, die sichereignet hatte. Den Bezug zur Bibel, wie in der Einleitung dieser Arbeit bereits erwähnt,wollte er nicht durch die Anwendung archaischer Mittel34 erreichen, sondern durch dieVerwendung von Zeichen und Symbolen, auf die im Folgenden noch genauer eingegangenwird.
Inhalt, Form und Sprache
Die Blutsäule ist in drei Teile gegliedert: Die Kapitel 1-7 führen den Leser in Zeit und Ortder Handlung ein und skizzieren die handelnden Personen. 35 Die Kapitel 8-13 beinhaltendie Geschichte/n des Richters (und Erzählers) über das Schicksal der Juden der kleinenGrenzstadt am Sereth, die vier Jahre vor der Machtergreifung durch dasnationalsozialistische Deutschland einsetzt und vom Toraschreiber Zacharia Hakohenhandelt, dessen Frau im hohen Alter die Zwillinge Jochanaan und Nehemia zur Weltbringt. Erzählt wird von ihren Freuden und Leiden und davon, wie sich die Deutschen derStadt bemächtigen und ihre jüdischen Einwohner niedermetzeln. − Hier bricht der„Erzählende Richter“ ab und führt hin zum „Klagenden Richter“, der im dritten und letztenTeil des Romans (Kapitel 13-25) die Anklage gegen die Mörder führt.
Die Sprache des „Totenbuchs“ ist eine „aufs Ganze gesehen Statuarische, [die] an einEpitaph denken läßt, bis hin zur optischen Betonung der Absatzblöcke; daher derVerweisungscharakter dieses Erzählens, sein parabolischer, allegorischer, emblematischerGeist.“36. Als Beispiel sei hier auf den Beginn der Blutsäule verwiesen, dessen kurze, fünf-bis sieben-zeiligen Absätze jeweils mit den selben Worten „es geschah“ eingeleitet werdenund so nicht nur den Lesefluss stark rhythmisieren, sondern auch an die Sprache religiöserTexte erinnern. 37 Auch das Wort „Blut“ kehrt in allen möglichen Wortkompositionen und Metaphern immer wieder, durchdringt das dichte Werk von der ersten bis zur letzten Seite und lässtdabei die „Blutsäule“ soz. „bildlich“ vor den Augen des Lesers erstehen. Die Spur derMörder zieht sich durch den Nekrolog, so wie sie sich in der Geschichte Europas durch denKontinent gezogen hat. Morgenstern schreibt vom „blutbesoffenen Panzerheer“, vom 33 B 178f.
34 Vgl. B 13.
35 Das Geschehen findet am Ende des Zweiten Weltkrieges in einer kleinen ostgalizischen Grenzstadt amFlusse Sereth statt. Die Rote Armee drängt die deutschen Soldaten zurück. Drei Zöllner finden eine Kiste, diesich nicht öffnen lässt und bringen sie in die alte, im Krieg verwüstete Synagoge. Bereits im 1. Kap. ist dieJudenvernichtung das Gesprächsthema der Zöllner. Es gibt aber noch überlebende Juden in dieser Stadt, die durch einen unterirdischen Gang von der Synagoge zum „Alten Friedhof“ flüchten konnten. Der katholischePfarrer und der orthodoxe Pope werden herbeigeholt, um das Mysterium dieser Kiste zu klären. Auch eineam Rückzug sich befindende deutsche Einheit trifft in der Synagoge ein und versucht, die letzten Überlebenden im Gang aufzuspüren, um sie zu töten und die Stadt „judenfrei“ zu machen. Der Hauptmannerklärt die Kiste zum Eigentum des deutschen Heeres, doch mit keinem Werkzeug gelingt es, sie zu öffnennoch sie von der Stelle zu rücken. Ein Bote erscheint und kündigt ein Gerichtsverfahren an, das in der Synagoge abgehalten werden wird.
36 Vgl. Schulte 1997, B 183.
37 „Es geschah in dem Teil der Welt [.] Es geschah in der Zeit [.] Es geschah aber im dritten Monat desfünften Kriegsjahres [.] Da geschah es in einer halb eingeäscherten kleinen Grenzstadt an dem Flusse Sereth[.]“ Erst der fünfte Absatz setzt ein mit den Worten: „Die Kiste war fünf Ellen lang.“ B 19.
„blutbeladenen Land“38 und von der „Blutbesudelung, so übervoll an Blut, daß die Erde esnicht austrinken kann und, erstickend an dem Übermaß an Blut, zum Himmel schreit“39,von „den Bluttaten“ und der „Blutschuld begangen an den Kindern“ 40, vom „blutbeladenenHaupt der Menschheit41, von den „deutschen Blutspielen“ 42 und vom „blutbeladenenReich“ 43. Er beschreibt die Synagoge als „geschändeten Ort“, der den „SS-Männern nichtmehr so blutgemütlich [erschien]“44, die Helden der SS, „die verwegenen Blutmut zeigtenin ihrem Krieg gegen jüdische Kinder, Frauen und Greise“45 und berichtet von der„Bluternte.“46 Beispiele wie die eben angeführten verdeutlichen Morgensterns auffallend bildhafte Sprache. Für die deutschen Soldaten verwendet er Ausdrücke wie „die Mordbrenner“ oder„die hurtigen Pockenträger des deutschen Unheils“ 47. Die SS bezeichnet er als Abkürzungfür „Schänder der Schöpfung“ 48, und die Konzentrationslager werden mit „Todesfabriken[.] für den methodisch und wissenschaftlich betriebenen Völkermord“49 umschrieben.
Die handelnden Personen
Das Figureninventar der Blutsäule kann in drei Gruppen real existierender Personenkreiseeingeteilt werden, denen eine Reihe „übernatürlicher Wesen“ mit allegorischem Charaktergegenübersteht.
Erstere werden durch die drei Zöllner charakterisiert: Andrej, dem ältesten Zöllner − „Judenfreund oder Judenhelfer“, seinem jüngsten Kollegen, einem „Judenfeind oderJudenhasser“ und dem schweigsamen Zöllner, welcher sich schließlich im 13. Kapitel alsJude Reb Senderl entpuppt, der getarnt als Zöllner Hawryluk und 4 Jahre lang „nicht nachdem Gesetz“ lebend, den Holocaust überleben konnte.
Die „judenfreundliche“ Bevölkerung wird einzig durch die Person des Zöllners Andrejrepräsentiert, eines orthodoxen Christen, der die überlebende jüdische Gemeinde mitLebensmittel versorgt, um am „Alten Friedhof“ die schrecklichen Jahre durchstehen zukönnen. Der alte Zöllner steht paradigmatisch für die tatsächliche Minderheit innerhalb dernicht-jüdischen Bevölkerung, die den Juden gegenüber keine Ressentiments hatte odersogar das eigene Leben riskierte, um Juden während des Naziregimes das Leben zu retten.
Andrej steht auch stellvertretend für die Figur des „Barmherzigen Samariters“, die beiSoma Morgenstern von zentraler Bedeutung ist: Man findet ihn auch in seiner TrilogieFunken im Abgrund in der Figur des Panjko, und er bildet als „anständiger christlicherZeuge, der für unbekannte jüdische Opfer täglich sein Leben riskierte“50, einen Kontrast zuden judenfeindlichen Christen, die durch aktive wie passive Komplizenschaft in die 38 B19.
39 B 52.
40 B 92.
41 B 96.
42 B 104.
43 B 113.
44 B 111.
45 B 136.
46 B 154.
47 B 92.
48 B 96.
49 B 122.
50 Schulte 1997, B 189.
Passive Komplizenschaft kann auch den Vertretern der christlichen Kirchen in Osteuropa (und nicht nur dort) vorgeworfen werden, auch wenn der beleibte katholischePriester und der orthodoxe Pope durch recht abstruse Argumente und Ausreden die Schuldvon sich weisen möchten und nur als „Zeugen“ am Prozess teilhaben.
Die Liste der „Judenhasser“ wird vom jüngsten der Zöllner angeführt, einem Komplizender Deutschen, der noch in den letzten Kriegstagen die wenigen überlebenden Juden verrät.
Zwischen dem alten Zöllner und seinem jugendlichen Kontrahenden entspinnt sich überder Frage, welche Konfession − die griechisch-orthodoxe oder die römisch-katholische −am stärksten mit den Deutschen kollaboriert habe, ein heftiger Streit, welchen der dritteZöllner, „der bislang geschwiegen hatte“, folgendermaßen kommentiert: „Es gab Wölfeunter den Römischen, es gab Wölfe unter den Griechischen. Es gibt gute Menschen unterdiesen wie unter jenen. Leider, leider waren die guten Menschen überall eine zu geringeMinderheit.“51 Und Andrej fügt hinzu: „Verantwortlich sind wir [.] für unsere eigenenGlaubensbrüder, für diese unsere Brüder, die mit den Deutschen an den Juden wie dieWölfe gewütet haben.“52 Am Ende des 3. Kapitels überfallen deutsche Soldaten die versammelten Ortsbewohner in der jüdischen Synagoge, „Deutsche von der furchtbaren Art derSturmscharen, [geführt von einem Häuptling].“53 Besonders auffallend ist die Tatsache, dass unter den „Judenhassern“ niemand einen Eigennamen trägt. So stehen sie stellvertretend für die Masse derer, die bei derVernichtung des Judentums in Europa auf die eine wie andere Weise beteiligt waren, unddie sich in die Maschinerie der Nationalsozialisten eingliedern ließen. Dadurch, dass SomaMorgenstern ihnen keine Eigennamen gibt, gelingt es ihm auch, diesen Personen dasMenschliche, das Individuelle, das Persönliche abzusprechen, das es braucht, um inpolitisch schwierigen Zeiten auf irgendeine Weise Zivilcourage zu zeigen und Widerstandzu leisten, und so subtil den Mechanismus totalitärer Systeme aufzudecken: Der Menschverschwindet in der Masse, versteckt sich darin, weist jede Verantwortung von sich, lässtalles Unrecht geschehen. 54 Exkurs: Hitler, Göring, Goebbels
Auch die Namen der Anführer des Nationalsozialismus werden in der Blutsäule nichtgenannt, dennoch ist das gesamte 17. Kapitel ein sehr sarkastischer „Ausflug“ in einfingiertes Gespräch der drei Hauptverantwortlichen für die Shoah. Soma Morgenstern„entführt“ den Leser in die Sitzung des „Hohen Drei-Mörder-Rates“55, wo ebenfalls dieLegende von den Zeichen und Wundern am Sereth diskutiert wird: 51 B 27.
52 B 27.
53 B 37.
54 Schon der jüdische Gutsverwalter Jankel bemerkt in Idyll im Exil: „Wie die Menschen ihre Leithammeln.
Nur ist da ein Unterschied zugunsten der Rinder. Die Leitkuh richtet sich, wie du es wohl gelernt haben wirst, nach der Beschaffenheit der Weide. Wenn es ihr beifiele, die Herde dorthin zu führen, wo das Grasschlecht ist, die Herde würde ihr kaum folgen. Die Menschen aber, die Menschen folgen ihren Leithammeln,zu denen sie obendrein noch aufblicken, manchmal auch dorthin, wo sie verrecken.“ − Morgenstern, Idyll,S. 20.
55 B 124.
Hier [in Deutschland] machten sie die Legende ganz klein, und sie gaben ihr die Gestalt einesGeschichtchens. In dieser Gestalt kam sie einem von den obersten Machthabern des Reiches zu Gehör, dem Marschall des Reiches, den sie ‚der Fettwanst’ nannten. Der beleibte Mann hatte dieGewohnheit, den Reichsführer, den sie ‚der Schreihals’ nannten, mit Geschichtchen zu kitzeln.
Diesmal tat er es während einer Sitzung des Hohen Mord-Triumvirats, zu dem noch der Reichslügenspinner gehörte, den sie ‚der Klumpfuß’ nannten.56 Auch in diesem Kapitel hört man wieder Soma Morgensterns Auffassung durch, dass esHitler um die Vernichtung des Religiösen an sich ging, wenn er ihm folgende Worte in denMund legt: „Nach mir gibt es keinen Burim57 und kein Weihnachten, kein Pessachfest undkeinen Karfreitag!“58 Und so hat der „Reichslügenminister“, um Hitlers Wahn in die Tatumzusetzen, schließlich eine der schrecklichsten Ideen, zu denen die Nationalsozialistenüberhaupt fähig waren – die Verwertung des toten, menschlichen Körpers: Der Klumpfuß [stimmte ihm] bei: „Und ich bilde mir ein, ein sicheres Mittel gefunden zu haben, den überlebenden Juden ihre mesquine Freude am Überleben ein für allemal zu nehmen. Wir sindnicht die ersten Männer in der Geschichte, die sich das Ziel setzen, die Juden auszurotten. Bis jetztsind alle solchen Bestrebungen gescheitert. Warum? Weil alle unsere Vorgänger den Fehler begangen haben, den Juden zur tragischen Gestalt der Geschichte zu machen. [.] wenn wir jetztdarangehen, einen Ausrottungskrieg gegen ihre Kinder durchzuführen, ändert sich die Situationzugunsten der Juden. Denn bei Kindern ist es einerlei, ob man ihnen eine Wahl läßt oder nicht: Kinder sind Märtyrer. Jedes Martyrium hat seinen Ruhm und Glanz. Wie erst ein Martyrium vonKindern! Es gilt also, ein Mittel zu erfinden, das den Glanz ihres Martyriums mit dem Leben derJudenkinder zugleich auslöscht.59 [.] Mit den lebenden Juden sind wir glänzend fertig geworden.
Wie steht es aber mit den toten Juden, mit den Figuren? Wir werfen sie in Massengräber, wirverbrennen sie in Krematorien. Das ist schon in den besten Völkerfamilien vorgekommen. Für dasHaus Israel müssen wir was Neues erfinden. Wir haben den Juden das Leben zur Schande gemacht, wir müssen auch ihren Tod schänden. Das ist eine zynische Idee, und mit zynischen Ideen wendetman sich am besten an die Wissenschaft.60 [.] Mit dem Fett der Figuren läßt sich etwas machen.
Was? Etwas, was das Problem im wahrsten Sinn des Wortes bereinigt. Dieses etwas heißt: Seife.
Diese Seife wird die Atmosphäre des Judenmartyriums völlig keimfrei machen. Wo ein Stücksolcher Seife hinfällt, da wächst nimmer das Gras der Legende. Und so wird ihnen auch der Todzur Schande. 61 Diese Passage sei hier ausführlich zitiert, da in der Blutsäule das Martyrium der jüdischenKinder von zentraler Bedeutung − und die „Figur“ das Symbol schlechthin für dieses„Totenbuch“ ist.62 56 B 113.
57 Das jüdische Fest Purim wird hier von Soma Morgenstern bewusst falsch geschrieben, denn „derSchreihals wollte Purim sagen, weil aber, wie sein Hirn und sein Herz, auch seine Nase verstopft war, sagteer Burim.“ − B 116.
58 B 119.
59 B 116.
60 B 117.
61 B 118.
62 Vgl. dazu das Kap. Zeichen und Wunder. Zur Charakterisierung der Juden in der Blutsäule
Der „Erzählende Richter“ ist es, der den Leser durch seine Geschichten in dieVergangenheit der lebendigen jüdischen Gemeinden Osteuropas entführt, so wie es sie biszum Zweiten Weltkrieg gab. Soma Morgenstern berichtet in der Blutsäule nicht nur vonder Zerstörung und Vernichtung des europäischen Judentums, sondern bietet auch einentiefen Einblick in die verlorene Welt seiner Kindheit, die schon im Mittelpunkt seinerTrilogie Funken im Abgrund gestanden war.
Schlüsselfigur und „geheimnisvollste Gestalt“ der Trilogie ist der grindige Mechzio mit seinen ‚überirdischen Ochsenaugen’, von dem in der Gegend um Dobropolje das Gerücht umgeht, er sei einer der ‚Sechsunddreißig’, einer der sechsunddreißig Gerechtennämlich, die einem alten jüdischen Volksglauben zufolge in jeder Generation unerkannt unter denMenschen leben, meist arm und unscheinbar, und um derentwillen die Welt nicht untergeht. Seit dem Begräbnis des siebenjährigen, von antisemitisch aufgehetzten Polen erschlagenen Jungen LipaAdowitzer ist Mechzio spurlos verschwunden und bleibt unauffindbar.63 In der Blutsäule taucht Mechzio wieder auf, hier aber als Symbolfigur des jüdischenWiderstands: Er war scheu und wortkarg. In seiner arbeitsfreien Zeit saß er in dem Vorraum der Schul, wo diekleinsten Kinder lernten. Die Kinder liebten ihn, weil er groß war und stark und allen ihren Spiellaunen gefügig. Sie erzählten, der Dorfmann könne kaum beten, ehrten ihn aber wegen seinergroßen Frömmigkeit. Die Kinder waren es auch, die ihm den Namen Mechzio der Büßer gaben.
[.] Allein Mechzio der Büßer hatte den Mut, anders zu denken.64 Bei der Belagerung der Synagoge und dem Gemetzel an der betenden und feierndenjüdischen Gemeinde ist er es, der den unterirdischen Gang öffnet und so 72 Menschen dasLeben rettet. Er ist es, der ihnen Essen besorgt und in der Nacht heimlich die Stadtauskundschaftet. Und vielleicht ist er auch einer der „Waldkämpfer“ − der Partisanen.
Die jüdischen Kinder spielen in Soma Morgensterns Werk eine zentrale Rolle, v.a. in derRolle der Opfer, der Märtyrer: So wird in der Trilogie der kleine Lipale von aufgebrachtenPolen ermordet, und in der Blutsäule erinnert Morgenstern an jene eineinhalb Millionenjüdische Kinder, deren Leben von den „Kindermördern und Kinderbrennern“ 65 ausgelöschtwurden, und die er als „Funkensucher“ bezeichnet, „als Opfer [die] gefallen sind für dieTora.“ 66 Aus dieser Stelle des 21. Kapitels wird auch die Bedeutung des Titels der Trilogiedeutlich und zu den Kindern in Beziehung gesetzt: Ausgesandt seid ihr in die Verbannung, um die Funken der Heiligkeit einzusammeln, die in dieunreinen Abgründe der Finsternis gefallen sind, da bei der Erschaffung der Welt die Gefäße der Schöpfung zerbrachen. Die verlorenen Funken der Schöpfung einzusammeln, deren sich die 63 Schulte 1997, B 176.
64 B 108f.
65 B 139.
66 Tora bedeutet „Gesetz, Weisung Gottes“, niedergelegt in den fünf Büchern Mose, dem Pentateuch; imweiteren Sinne die ganze jüdische Bibel. Die heiliggehaltene Torarolle ist mit Geräten und Schmuck, oft miteiner Krone versehen und wird, in ein Mäntelchen gehüllt, in einem besonderen Toraschrein aufbewahrt. Im synagogalen Gottesdienst wird wöchentlich ein bestimmter Abschnitt aus der Torarolle vorgelesen. − Vgl. B147.
Dämonen der unreinen Abgründe bemächtigt haben, das ist die Sendung Israels in der Verbannung.
[.] Das Licht der Lehre im Herzen, gegürtet mit Geboten, begabt mit gläubigen Augen zogen sie aus,unsere Kinder, die Funkensucher. Und sie stiegen hinab zu den Abgründen, wo die Dämonenwohnen, um die verlorenen Funken der Schöpfung einzusammeln.67 Diese Worte formuliert Nehemia, der überlebende Sohn des Toraschreibers ZachariaHakohens und seiner Frau Scheva, dessen Bruder Jochanaan als eines der ersten Opfer inder Synagoge erschlagen wird.
Die Zwillingsbrüder zählen zu zentralen Gestalten des Romans und sind von großer, symbolischer Bedeutung, denn schon bei der Ankündigung ihrer Geburt prophezeit einFremder: Denn zum Segen sind sie geboren beide, unterschieden nur darin, daß einer zum Trost des Volkes, der andere zum Trost der Völker bestimmt ist, wie es den Völkern, dem Schöpfer zu Leide,beifallen wird, sich abzuscheiden von dem Volk in seiner schwersten Not.68 So diskutieren sie bereits als Talmudschüler über verschiedene Standpunkte der Erlösung,wobei Nehemia dabei die Position vertritt, dass „wenn der Erlöser kommt, das auserwählteVolk in das Heilige Land zurückkehren [wird]. Und dort wird die Erlösung beginnen.“Jochanaan hält jedoch dagegen, dass „die ganze Welt ein Heiliges Land werden [wird].
Wer soll die Völker der Welt die Tora lehren, wenn nicht das auserwählte Volk?“69 Mit der Ermordung Jochanaans wird auch die Hoffnung zu Grabe getragen, dass es ein Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen, basierend auf der Toleranzfür das Andere, geben kann, an die auch Soma Morgenstern sehr lange geglaubt hatte.
Die Gestalten der „oberen“ und „unteren Welt“
Die Blutsäule wäre keine „Legende“, wenn es nicht auch Figuren gäbe, denen eineallegorische Bedeutung zukommt und die nicht von dieser Welt sind: die Richter („derErzählende“, „der Klagende“, „der Führende“ Ab Bet-Din,.), die den Prozess genauüberwachen und leiten, sowie der „Fremde“, der sich als „Bote“ vorstellt, den rechten Wegzur Synagoge zeigt und über das Gerichtsverfahren aufklärt. Er spricht immer wieder vonseinem „Auftraggeber“, und man ist versucht, in ihm einen „Boten des Himmels“ zu sehen.
Seine Bewegungen sind engelsgleich, seine Befehle werden wie durch Zauberhandbefolgt,70 und im 13. Kapitel stellt sich tatsächlich heraus, dass es sich um den ErzengelGabriel handelt, der das Geschehen auf Erden mit der „oberen Welt“ in Verbindung bringt.
Auch „Satan“ wird zur „Verteidigung der Mörder von eineinhalb Millionen Kindern“ 71vom Gericht herbeigerufen. In der Gestalt des „Kugelrunden“ 72 erscheint am Ende der 67 B 142f.
68 B 62.
69 B 70.
70 Vgl. B 54.
71 B 128.
72 „Kugelrund“ ist der Abgesandte der Hölle aufgrund des Sprichwortes „Die Sünden der Menschen machenden Satan fett.“ Mit einem Lächeln im „feisten Gesicht“ erklärt dieser Vertreter: „[S]eitdem der dunkle Hund, den die Deutschen zu ihrem Messias erwählt haben, so rührig wurde, sind wir alle so fett geworden,daß wir uns kaum noch rühren können.“ − B 131.
Advocatus Diaboli“73, nicht jedoch um die Mörder zu verteidigen, sondern seinen„Meister“, und als „Sprachrohr der unteren Welt“ verkündet er: Die Deutschen haben es fertig gebracht, das Böse so zu verschandeln, daß es sogar dem Satan zumEkel geworden ist. Die Deutschen, sie lieben das Unmaß. In kurzer Zeit haben sie eine so ungeheure Masse des Übels angehäuft, daß es nicht nur zum Himmel, sondern erst recht zur Höllestinkt. [.] Es ist aber nicht die Unmasse des Übels allein, vor der wir uns die Nase zuhalten. Es istauch die Abart der deutschen Übeltaten, vor denen Satan sein Engelsgesicht abgewandt hat. [.] Sie wähnen sich Dämonen, wenn sie Seife aus Menschenblut machen, und sind doch nur stumpfeMetzger, fleißige Fleischhacker, blutbefleckte Seifensieder. [.] Und was die Deutschen teuflischnennen, nennt der Teufel deutsch.74 Nach diesem Urteil über die Deutschen erklärt der Abgesandte, dass der Teufel denAnspruch auf seinen einstigen Titel: „Malach schel harachamim, Engel derBarmherzigkeit!“75 geltend machen will, um seine „Abscheu vor den Kinderschlächtern“auszudrücken, denn „Satans Mitleid mit euren Kindern ist nicht mißzudeuten. Vor dieserFigur steht Satan, wie wir alle hier, in Tränen.“76 „Zeichen und Wunder.
.am Sereth“, so lautet der Untertitel der Blutsäule. Wenn von „Zeichen und Wundern“ dieRede ist, deutet dies meist auf einen religiösen Kontext hin. Daher ist die Einflechtung vonWundergeschichten in die tatsächlichen Vorkommnisse der Judenvernichtung, die in SomaMorgensterns Buch literarisch verdichtet erzählt werden, ein ausgezeichneter Kunstgriff,um das Vorhaben, ein Buch „zu schreiben, wie es einer vermöchte, der sein ganzes Lebennichts anderes gelesen hätte als die Bibel“ 77 umzusetzen, da ja auch die Bibel78 vollerWunder ist. Da erinnert und referiert zum Beispiel die Ankündigung der Geburt derZwillinge auf alle wundersamen Geburten, die man sowohl aus dem Alten (Hannah undSarah) wie aus dem Neuen Testament (Elisabeth und Maria) kennt. Ein Fremder verkündetder Frau des Toraschreibers: Lache nur, Scheva, Weib des Zacharia Hakohen, lache nur, wie deine Erzmutter Sarah gelacht hat, da ihr der Bote verkündete, sie würde spät in gute Hoffnung kommen und einen Sohn gebären. [.]Deine Erzmutter Sarah war älter als du, Scheva, und sie gebar einen Sohn. Du aber wirst zweiSöhne gebären, Zwillingskinder; einen Sohn wirst du gebären zum Trost deines Volkes, den Doch am Wenigsten geht es in der Synagoge „mit rechten Dingen zu“, und der jungeZöllner meint, ein antisemitisches Vorurteil aufgreifend, auch den Grund dafür zu kennen:„Sicherlich sind es die Juden, die hier ihr Unwesen treiben. Das ist die Strafe dafür, daßman hier Juden versteckt und mit christlichem Brot am Leben erhalten hat.“80 73 B 129.
74 B 131.
75 B 132.
76 B 133.
77 B 13.
78 Es finden sich auch noch andere direkte Anklänge an die Bibel, so z.B. die Geschichte von Kain und Abel(vgl. B 52, B 149 u. B 157), oder Formulierungen wie „Deutsch-Sodom und Deutsch-Gomorrha“. − B 140.
79 B 62.
80 B 34.
In diese Synagoge, die den deutschen Soldaten sogar als Bordell diente, wurde ein Bildgemalt, das den Titel Bluthochzeit am Sereth81 trägt: Es stellt Jesus Christus am Kreuze dar,sowie einen gekreuzigten jüdischen Jungen, „rundherum umkränzt mit Gruppenbildern,darstellend Frauen und Männer in zuchtlosem Reigentanz, die Frauen augenscheinlichjüdischen Geblüts, nackt in obszöner Haltung und lüsternen Gebärden, die Männer [.]augenscheinlich germanischen Geblüts, mit höhnischen Grimassen, Peitschen undFeuerwaffen in den Händen.“82 Auf Befehl des örtlichen Geistlichen wird mehrmalsversucht dieses „Schandmal“ abzuwaschen, über Nacht erscheint es jedoch immer wieder.
Erst am Ende des Prozesses verschwindet das Bildnis an der Wand vor den Augen aller.
Die Geschichte von den immer wieder in Sicht tretenden Bildern kann in enge Verbindung mit dem Wunder vom totgespienen SS-Mann gesetzt werden, der Legende vonden „Zeichen und Wundern“ am Sereth: An dem Tag, an dem die SS das Feuer in derSynagoge eröffnet, wird Jochanaans Freundin Ruth von einem SS-Mann aufgespießt understochen. Der Junge schreit dem Soldaten „Mörder du! Ein Blitz wird dich verbrennen“ 83zu, doch ehe dieser ihn töten kann, „geschah es. Jemand, man sah nicht und weiß bis aufden heutigen Tag nicht wer, spie dem Mordknecht in einem großen Bogen mitmeisterlicher Zielsicherheit genau zwischen die Augen. [.] mit dem Schrei ‚Mein Gesichtverbrennt!’ schlug der Mordknecht zu Boden“ 84, wo er mit „bis an die Knochen verkohltemGesicht“ liegen bleibt. Ein anderer SS-Mann erschlägt daraufhin Jochanaan mit demBajonett. Daher hat das Gesicht des gekreuzigten jüdischen Jungen auch die ZügeJochanaans. Und daher ist die Synagoge der richtige Ort, um das Gerichtsverfahrenauszutragen, denn „[h]ier ist ein Kind von dreizehn Jahren dem Bösen in den Weggetreten. Also ist die Alte Schul würdig geworden, der Ort dieses Gerichts zu sein.“85 Die Kiste aber (und deren Inhalt) ist wohl das wichtigste Motiv der Blutsäule: Erstnachdem Morgenstern bei seinem Besuch in Israel auf einem Friedhof eine alte Kistegefunden hatte, war er sich sicher, „daß ich mit diesem Buch in der reinen Form fertigwerden würde, die ich mir vorgeschrieben habe“ 86 – das Symbol, nach dem Morgenstern solange gesucht hatte, war gefunden. Die von den Zöllnern gefundene Kiste, in der Essbaresvermutet wird, verwandelt ständig ihre Beschaffenheit: Sie riecht, sie stinkt, lässt sichtragen, aber nur bis zur Synagoge, wird dort schwer „wie die Last der Welt“87, lässt sichnicht öffnen, verletzt jeden, der sich ihr nähert, um sie gewaltsam aufzumachen. Derdeutsche Hauptmann erklärt die Kiste aufgrund der deutschen Inschrift zum Eigentum derWehrmacht. Erst Reb Senderl gelingt es, die Kiste zum Bildnis der kleinen Gestalt an derWand zu tragen, denn für ihn ist sie „leicht wie eine Tora.“88 Auch ist er es, der die Kistemit der Inschrift „Garantiert echte Figurenseife. Für die Helden der SS No. 27. Mit demDank des Führers. Weihnachten 1943“89 öffnen kann. Beim Anblick des Inhalts erstarren 81 B 26.
82 Ebd.
83 B 106.
84 Ebd.
85 B 112.
86 B 15.
87 B 33.
88 B 95.
89 Schon im 5. Kap. findet sich ein Hinweis auf die Inschrift. Ein verwundeter Soldat, der sich später, als derInhalt der Kiste ans Licht kommt, von der SS distanziert, sagt, nachdem er die Inschrift gelesen hat: „In den sieben Seen der Welt ist nicht Wasser genug, uns reinzuwaschen von dem Blutschmutz dieses Geschenks.“ −B 44. Vgl. auch B 126.
alle – darin ist die Figur eines Knaben von dreizehn Jahren mit den GesichtszügenJochanaans gleich dem Bildnis an der Wand: „Und wie die Dämmerung in der Alten Schulmit dem Dämmer in der Kiste sich verschwisterte, so verbrüderte sich das Wandbild mitdem Standbild.“90 Als wichtigstes Symbol der Zeichen und Wunder am Sereth steht dieseFigur sowohl für das Martyrium der jüdischen Kinder als auch für den Glauben desjüdischen Volkes, weshalb sie einer Torarolle gleich behandelt wird. Reb Senderl hebt sieaus der Kiste mit behutsamen und zärtlichen Händen, wie ein Frommer die Tora aus dem Schreine hebt. Und wie ein Frommer die ausgehobene Tora mit einem Kusse ehrt, indes er sie in die Beuge des linken Armsgleiten läßt und ans Herz drückt, so küßte Reb Senderl die bleiche Stirn der Knabenfigur, ehe er siemit beiden Armen an die Brust drückte.91 Und Nehemia hebt die „Figur vom Richtertisch, wie man die Tora erhebt nach derLesung“ 92, während er seine Frage an den Boten richtet.93 Unsicher war sich SomaMorgenstern über den Stellenwert dieses Symbols, daher richtete er die Frage an seinenFreund Heschel, ob „er recht daran [tat], die Figur neben die Tora zu legen“ 94, der ihmangesichts des großen Leides der jüdischen Kinder nur Recht geben konnte.
Die jüdische „Welt von gestern“
Soma Morgenstern schuf mit der Blutsäule nicht nur ein berührendes literarischesDokument zur Erinnerung an die Opfer der Shoah, sondern ließ die ostjüdischenGemeinden, gleichsam als Hommage an jene Welt, in der er aufwuchs, noch einmal mitgroßer Lebendigkeit auferstehen.
Soma Morgensterns „Totenbuch“ gleicht einem Teppich, bei dem die traurigen Fäden der Geschichte verwoben sind mit den fröhlichen, andächtigen und ernsten Traditionen derosteuropäischen Juden, ohne dass dies aufgesetzt wirkt.
Die Blutsäule führt beim Lesen durch den jüdischen Kalender, man erlebt Sitten und Bräuche und feiert die jüdischen Feste mit, wie zum Beispiel Purim95, Pessach96 und dasBacken des Pessachbrotes Mazza97, das Verlobungs- und Hochzeitsritual – hier alsKinderspiel98, die Bar-mizwa99, das Kaddisch100 und das Minjan.101 Auch die jüdischen 90 B 127.
91 B 127.
92 B 141.
93 Vgl. dazu das Kap. Die Erlösung – „Atchalta d’ge’ula“.
94 B 16.
95 Purim ist der fröhlichste aller jüdischen Feiertage, für die Kinder eine Art Karneval mit Maskeraden undUmzügen, Geschenken und Gebäck. An diesem Tag gedenken die Juden des Sieges über den Judenfeind Haman im persischen Exil, wie es im Buch Ester beschrieben wird. − B 65ff.
96 Pessach ist ein achttägiges Fest zu Frühlingsbeginn, das an den Auszug aus Ägypten erinnert.
97 B 72ff.
98 B 78ff.
99 Bar-mizwa bedeutet „Sohn des Gebotes“ und ist die feierliche Einführung des dreizehnjährigen jüdischenKnaben in die religiösen Rechte und Pflichten des erwachsenen Gemeindemitglieds, für deren Ausübung er Verantwortung übernimmt. − Vgl. B 84ff.
100 Die Blutsäule endet mit einem Zitat aus dem Kaddisch: „Jisgadal w’jiskadasch sch’mej rabba“(„Erhoben und geheiligt werde sein großer Name“), dem Trauergebet, das traditionell von den Söhnen für das Seelenheil ihrer verstorbenen Eltern gesprochen wird.
101 Minjan bezeichnet die vorgeschriebene Anzahl von zehn männlichen, mindestens dreizehnjährigen Gebete (z.B. Kol Nidre, Schacharit, die Mussafgebete) sind in die Blutsäule eingeflochten.
Wiederum ein besonderer Kunstgriff ist es, wenn Morgenstern die Vernichtung derjüdischen Welt mit den zwei Feiertagen Rosch Haschana und Jom Kippur zusammenfallenlässt. Die beiden Festtage, das jüdische Neujahrsfest und der Versöhnungstag, markierenden Beginn und das Ende der „Furchtbaren Tage“, der zehn Tage der Buße: Am Vorabend des Rosch Haschana-Festes hatten die ersten Panzer der Deutschen den Fluß Sereth erreicht. [.] An dem Tage ihres so schnellen Sieges taten sie uns fast nichts zuleide.[.] DieBluttaten dieses und der folgenden Tage begingen unsere Mitbürger, unsere Nachbarn. Ach es istein altes Lied: in den glücklichsten wie in den traurigsten Tagen ihrer Geschichte waren sie immer geneigt, ihr Mütchen an uns zu kühlen, unsere Nachbarn. Das ist ein altes, ein europäisch-christliches Lied.102 [.] Am Vorabend des Jom Kippur [.] brachen in unsere Stadt neue Truppenein: eine Abart von Soldaten, wie sie in der Geschichte der Welt noch nicht vorgekommen ist. [.] die SS – die Schänder der Schöpfung.“103 Dies markiert den Beginn des planmäßigen Völkermordes. Die Juden bleiben in derSynagoge und versuchen, den letzten der Bußtage, den „Versöhnungstag“ (!), zu feiern,doch ihre Gebete werden von der Zerstörung unterbrochen: „Der Vorbeter hatte eben [.]angesungen: P’sach lanu scha’ar – Öffne unseren Gebeten ein Tor – da fielen nahe scharfeFlintenschüsse in das Gebet, das Eingangstor ging krachend auf: Die SS war da.“104 Gemäß der Vorstellung, dass die Juden und ihr Glaube eins sind 105, findet man in derBlutsäule auch immer wieder Formulierungen, die die Gegenstände des Glaubens mit denGläubigen gleichsetzen: „Eingehüllt in die weißen Betgewänder, Männer in der Erstarrungdes plötzlichen Schreckens, jeder eine bleiche Totenkerze seines Nächsten, standenwir[.]“106 oder auch Formulierungen, bei denen die Gegenstände personifiziert werden:„In der Ostwand-Mitte war das Herzstück der Alten Schul, der Toraschrein, herausgerissenund mitsamt den vielen Torarollen verbrannt worden, wie die Herzen ihrer Leser und Beterherausgerissen und verbrannt worden waren,“107 „[e]s überlebte auch eine vonzweiundvierzig Torarollen“ 108 und „[u]nsere Gebete fielen tot zu Boden.“ 109 Ebenso finden sich immer wieder Passagen, die eine weitere, zutiefst jüdische Glaubensvorstellung zum Inhalt haben: das Bilderverbot110, wie z.B. bei der Hinführungzum „Klagenden Richter“: Möge ihm die Kraft verliehen sein, das Unsagbare der Untaten hier auszusagen. Auszusagen, wiees diesem Gericht entspricht, nicht aber auszumalen, wie es unserem Gesetz zuwider ist. DieseBluttaten zu beschreiben und auszumalen würde nur einem gelingen, der gleichen Geistes wäre mit den Monstern, die sie begangen haben, einem also, der gewiß auch fähig wäre und willens, dieseBluttaten in Wort und Schrift und Bild zu wiederholen.111 Personen, die zur Abhaltung eines Gottesdienstes notwendig sind. − Vgl. B 135ff.
102 B 92 (Beginn des 13. Kap.).
103 B 96 (Beginn des 14. Kap.).
104 B 100.
105 Vgl. dazu auch B 137.
106 B 100.
107 B 25.
108 B 112.
109 B 100.
110 Vgl. in diesem Zusammenhang die Theorie der Undarstellbarkeit bei Jean-François Lyotard. In: Berg etal. 1996, S. 11.
111 B 93.
Sogar der Sprecher des Teufels kann sich dem nur anschließen: Ja, es ist eine Schande, die Schande einzukleiden, sei es in Wort, sei es in Farbe, sei es in Ton. Ja, eine Schande ist es, die Schande zur Schau zu stellen, selbst vor Richtern in einem Gericht. Um daszu malen, was die Schänder der Schöpfung getan haben, muß man von der Art der Schändersein.112 Auch finden sich Anklänge an die jüdisch-mystische Tradition der Kabbala, „de[r] zufolgejedes Geschehen auf Erden sich zur selben Zeit auch in der ‚oberen Welt’ abspielt.“113 DemGeschehen in der Blutsäule liegt eine große transzendente Dimension inne: Dadurch dassdas Gerichtsverfahren in dieser und jener Welt zugleich stattfindet, hat es eindeutigreligiösen Charakter. Ab Bet-Din, der „Führende Richter“, belehrt die Anwesenden: Dieses Gericht hat nicht die Macht, ein Urteil zu vollstrecken. Das Urteil dieses Gerichts ist im wahren Sinne dieses Wortes: ein Erkenntnis. Doch wird es Kraft und Geltung haben, wenn es demUrteil des Oberen Gerichts entspricht, das zu gleicher Zeit tagt und unser Urteil gewärtigt.114 Nehemia wird wegen der Verdienste seines Bruders Jochanaan für würdig befunden fürdas „Obere Gericht“ auszusagen, nachdem das Urteil „schuldig, dreimal schuldig, schuldigund verworfen“ 115 verlautbart wurde und so „jenes Gericht und dieses eins geworden[sind], da das Erkenntnis jenes Gerichts rechtskräftig entsprochen hat dem Erkenntnisdieses Gerichts.“116 Und mit der Figur in der Hand, der er die Krone der Tora aufgesetzthat, fragt er nach der Antwort, die das jüdische Volk im Laufe seiner Geschichte immerwieder hören wollte: Tretet zurück und gebt den Weg frei, nicht mir, sondern meinem Bruder Jochanaan, der mit meinerStimme spricht. Gebt ihm den Weg frei, daß er diese unsere Gebete hintrage vor das Obere Gericht,unsere Gebete und unsere Fragen, die mit der Würde dieser unserer Majestät würdig geworden sind Als dem Toraschreiber Zacharia die Geburt der Zwillinge prophezeit wird, ahnt er den„verborgenen Zwillingssinn, den zu erforschen ihm nicht zukam“ 118, der sich im „Einsgleich Zwei wie Zwei gleich Eins“119 versteckt. In diesem Sinne sind auch die zweiGerichtsverfahren, das „diesseitige“ und das „jenseitige“ zwei und eins zugleich und dieZwillinge gleichsam ein „Symbol“ dafür.
Die Erlösung – „Atchalta d’ge’ula
„Das traditionelle Verständnis jüdischer Geschichte sieht die Katastrophen, die den Judenzugestoßen sind, als eine Strafe Gottes für die Sünden seines Volkes.“120 Nehemia, derzusammen mit Mechzio, dem Retter und Widerstandskämpfer, eine symbolische Figur 112 B 132.
113 Schulte 1997, B 185.
114 B 128.
115 B 137.
116 B 141.
117 B 144.
118 B 71.
119 Ebd.
120 Schulte 1997, B 187.
bildet, die dem biblischen Spruch „unserer Sünden wegen werden wir bestraft“entgegentritt, wagt es, den Schöpfer anzuklagen und die „höchste Antwort“ zu ertrotzen: Im Namen der eineinhalb Millionen Namen, die in den Tod gefallen sind zur Heiligung des Einen Namens, sage ich: Schöpfer aller Welten, das Maß des Leidens für Deinen Namen ist voll undübervoll geworden.121 [.] Das Maß unseres Leidens in der Verbannung ist voll und übervollgeworden. Wir wollen das Ende der Verbannung erbeten und erflehen. Und wenn wir das Ende nicht erbeten, nicht erflehen können, werden wir es ertrotzen. [.] Wegen unserer Sünden sind wirvertrieben worden aus unserem Lande, entfernt von unserer Erde. Aber sind unsere Sünden nochnicht entsühnt? Die Leiden auch nur eines Geschlechts in der Verbannung, waren sie nicht schwer genug, alle unsere Sünden zu entsühnen?122 [.] Das Licht der Lehre im Herzen, gegürtet mitGeboten, begabt mit gläubigen Augen zogen sie aus, unsere Kinder, die Funkensucher. Und siestiegen hinab zu den Abgründen, wo die Dämonen wohnen, um die verlorenen Funken der Schöpfung einzusammeln. Nun haben die Dämonen unseren Kindern die gläubigen Augenausgerissen, und ihr Herz ist ein Stück geschändet Blut. Mit zweimal eineinhalb Millionenausgerissenen Kinderaugen sieht auch dir, Bote, diese Wahrheit ins Gesicht. Und die Augen fragen: Sind die verlorenen Funken geborgen? Ist das Werk vollbracht? Ist die Sendung zu Ende?123 Und der Bote gibt die Antwort, eine kurze, „weil sie eine große Botschaft bringt“ 124:„Atchalta d’ge’ula – der Anfang der Erlösung“ 125. Soma Morgenstern wagt es, diejüdischen Leiden als „Chew’lej-lejda“ zu verstehen, als die „Geburtswehen derErlösung“ 126. Dem „Führenden Richter“ legt er diese Erkenntnis in den Mund: „UnsereLeiden waren die Leiden, die nach der Weissagung der Erlösung vorausgehen sollten.“127Diese Weissagung führt zurück zum Titel des „Totenbuches“, denn in der biblischenProphezeiung heißt es: „Und Zeichen werde ich geben am Himmel und auf Erden: Blutund Feuer und Rauchsäulen.“128 So ist denn auch die Voranstellung des Zitates aus derBibel in diesem Kontext zu sehen: Und der Ewige zog vor ihnen her des Tages mit einer Wolkensäule, sie des Weges zu leiten, und des Nachts mit einer Feuersäule, ihnen zu leuchten, daß sie gehen mochten Tages und Nachts.129 Soma Morgenstern stellt damit die Shoah in einen direkten Zusammenhang mit dengeschichtlichen „Urerfahrungen“ des jüdischen Volkes: den Auszug aus Ägypten, dieOffenbarung am Berg Sinai und die Tempelzerstörungen. 130 Vom Exodus spannt sich eindirekter Bogen zum hoffnungsvollen Ende des Nekrologs, wenn die Blutsäule in derGestalt Jochanaans gleich der Feuersäule und der Wolkensäule „heim“ ins „Heilige Land“führt. Der Augenblick der tiefsten Verzweiflung wird als Beginn der Erlösung interpretiert.
Dies ist der Hoffnungsfunke, der in der Apokalypse die wirkliche Wendung zum Gutensieht. Und es ist Nehemia, der den Holocaust überlebt, und mit ihm auch die Ansicht, dassdie Erlösung nur dann beginnen kann, wenn das jüdische Volk ins „Heilige Land“zurückkehren kann. Jochanaan aber, der für das Zusammenleben der Völker der Erde in 121 B 141.
122 B 142.
123 B 143.
124 B 144.
125 B 145f.
126 Vgl. Schulte 1997, B 188.
127 B 146.
128 Vgl. B 188.
129 Exodus 13.21.
130 Vgl. Schulte 1997, B 183.
Hoffnung auf die gemeinsame Erlösung steht, ist von der SS erschlagen worden: „Damithaben die christlichen Völker sich ihres Trostes beraubt.“131 ZUSAMMENFASSUNG
Denn die Welt besteht nicht für sich allein. Die Welt besteht nur im Namen der Wesen. und wäre es das geringste Wesen, (Talmud, 3. Buch, 5. Abschnitt, 18. Schure)132 Die Blutsäule ist − auch wenn es sich nicht um einen autobiografischen Text handelt − imKontext der Lebensumstände seines Autors zu sehen. Ganz in der Tradition des jüdischenImperativs „Zachor! – Erinnere Dich!“133 versteht Morgenstern sein Schreiben als„Pflicht“, die er als Überlebender des Holocaust gegenüber den Opfern hat.
In der Trilogie Funken im Abgrund zeichnete sich bereits in einem Einzelschicksal die kommende Ausrottung des Ostjudentums ab: Im ersten Roman der Trilogie, Der Sohn desverlorenen Sohnes, ahnt der Wiener Jude Alfred Mohylewski: „Man fragt heute längstnicht mehr nach der Konfession. Man prüft jetzt die Juden bis aufs Blut.“134 Der kleineLipale, der als einer galt, der „zur Heiligung des Namens gemordet wurde“135, ist bereitsdas erste Opfer von so vielen, von denen später die Blutsäule berichtet. Und wie die FigurJochanaans wird auch der Sarg Lipuschs von Mechzio getragen, „als trüge er die Tora zumTanz am Tage der Torafreude.“136 Soma Morgenstern zählte nie zu den assimilierten Juden, die sich von der Tradition deseigenen Volkes abwandten. Daher stellen sowohl die Trilogie wie auch die Blutsäule eineliterarische Verbeugung vor der zerstörten Welt des chassidischen Ostjudentums dar.
Es kann hier nur angedeutet werden, dass das Werk Morgensterns sehr viele Berührungspunkte zu den religiösen Diskursen hat, die seit der Shoah geführt werden. Seies die Anschauung, dass der Trost der Juden in der Heimkehr nach Israel liege 137, sei es derStandpunkt, dass das jüdische Volk und die Tora eins seien138, oder auch die Auffassungvon „churban – galut – ge’ula“ („Zerstörung – Exil – Erlösung“) als Muster der jüdischenGeschichte139.
Aufgezeigt werden sollte auch, welch wichtigen Stellenwert der Glaube in Morgensterns Leben hatte. Zweifellos sind seine Texte unter den Werken derösterreichischen Exilautoren die am stärksten von einer ungebrochenen religiösen Kraftdurchdrungenen. Eine Kraft, die ihm half, weiterzuleben und die Worte Alfreds in Idyll imExil wie ein Zuspruch des Autors an sich selbst erscheinen lassen: 131 Ebd., B 189.
132 Morgenstern, Sohn, 1996, S. 207.
133 Vgl. Berg et al.1996, S. 8.
134 Morgenstern, Sohn, 1996, S. 91.
135 Morgenstern, Idyll, 1996, S. 342.
136 Ebd., S. 343.
137 Vgl. Eliezer Berkovitz: Das Verbergen Gottes. In: Brocke, Jochum 1993, S. 43ff.
138 Vgl. Yitzchok Hutner: Bürde der Erwählung. In: Ebd., S. 31.
139 Ebd., S. 41.
Er befand sich in einer Krise. Was für eine Krise? Wer redete da von Krisen? Warum Krise? Er warin das Haus seines Vaters heimgekehrt, und es war eine rechte Umkehr. Wer in sein Vaterhaus heimkehrt, kehrt zu seinem Volke heim. Wer zu seinem Volke heimkehrt, kehrt zu seinem Gottheim. Krise? Krisen erlebt, wer sich abkehrt. Krisen erlebt, wer seinen Glauben verloren hat.140 Morgensterns Judentum war kein eingrenzendes, sondern ein universelles. Diesen„Universalismus des Glaubens“ reflektiert in der Blutsäule Nehemia, wenn er betet: Laß mir, Herr, die gläubigen Augen meines Bruders. Laß mir Jochanaans Augen und seineSchwäche! Und laß mich ein Opfer sein unter den Opfern und nicht ein Mörder unter den Mördern.
[.] Wer so fühlt, so denkt – und nur wer so fühlt und denkt, ist ein Kind Jakob-Israels, wes Namens, wes Stammes, wes Glaubens er immer sein mag. Wer anders fühlt und denkt, der ist einSohn Kain-Esaus, wes Namens, wes Stammes, wes Glaubens immer er sein möchte. 141 Genügend Aspekte gibt es noch, auf die in diesem Aufsatz nicht eingegangen werdenkonnte. So wäre z.B. ein Vergleich der Blutsäule mit Hannah Arendts Text Eichmann inJerusalem. Von der Banalität des Bösen interessant, um den fiktionalen Gerichtsprozessals Stilmittel zur literarischen Aufarbeitung der Shoah in einem größeren Zusammenhangzu sehen.
Auch eine Gegenüberstellung von Morgensterns Zugang zur deutschen Sprache mit Franz Kafkas Auffassung vom Deutschen als Exilsprache 142 und Paul Celans nochradikalerer Position, „im Inneren der Todessprache“143, brächte interessante Parallelen.
Hier schließt sich der Kreis, und man beginnt wieder zu fragen, ob Schreiben nachAuschwitz Sinn macht, oder ob nicht die einzig gültige „Sprache“ über die Shoahtatsächlich die des Schweigens ist, da das Geschehene und die Erfahrungen „unsagbar“bleiben. 144 Und wieder fällt einem ein Zitat aus der Trilogie ein, das alles Bemühen soaussichtslos erscheinen lässt: „Es heißt: Am Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde– von der Hölle ist da nichts gesagt. Die Hölle ist nicht von Gott.[.] Die Hölle ist von denMenschen, weh ist mir.“145 Mit den Worten des Toraschreibers Zacharia Hakohen aber lässt Morgenstern letztlich vielleicht doch durchblicken, wie ein Ausstieg aus diesem Gefängnis der menschlichenGewalt und Zerstörungswut möglich wäre: Das Wort Schalom, Friede, stammt vom Wort Schaleim, und dieses Wort bedeutet soviel wie„ganz, unversehrt, unbelästigt, vollkommen“. Unsere Gebete, wenn sie den Frieden erflehen,unsere Gesänge, wenn sie den Frieden preisen, meinen gewiß auch den Frieden, der im Gegensatz ist zum Krieg. Aber unsere Segenssprüche, unsere Segensgrüße, wenn sie Schalom sagen, meinensie: Friede sei zwischen dir und deinem Bruder, zwischen dir und deinem Nächsten, zwischen dirund jeglichem Menschen, zwischen dir und jeglichem Lebewesen: Friede zwischen dir und der ganzen Schöpfung. [.] Der Gruß Schalom meint aber in erster Reihe: Friede sei dir, Friede sei indir. Es sei keine Zwietracht in dir, keine Zwietracht zwischen deiner Seele und deinem Körper.
Keine Zwietracht zwischen deinem Denken und deinem Tun.146 140 Morgenstern, Idyll, 1996, S. 244f.
141 B 149.
142 Vgl. Enzo Traverso: Auschwitz denken. Hamburg 2000, S. 219ff.
143 Ebd., S. 218.
144 Vgl. George Steiner: Das lange Leben der Metapher. In: Akzente 3 (1987), S. 24-31.
145 So die ostgalizisch-jüdische Haushälterin Pesje in Morgenstern, Idyll, 1996, S. 361.
146 B 86f.
LITERATUR
Morgenstern, Soma: Joseph Roths Flucht und Ende. Lüneburg: Zu Klampen 1994. [Zit. als Flucht].
Ders.: Alban Berg und seine Idole. Lüneburg: Zu Klampen 1995. [Zit. als Berg].
Ders.: In einer anderen Zeit. Jugendjahre in Ostgalizien. Lüneburg: Zu Klampen 1995.
Ders.: Der Sohn des verlorenen Sohnes. Roman der Trilogie Funken im Abgrund. Bd. 1. Lüneburg: Zu
Klampen 1996. . [Zit. als Sohn].
Ders.: Idyll im Exil. Roman der Trilogie Funken im Abgrund. Bd. 2. Lüneburg: Zu Klampen 1996. [Zit. als
Idyll].
Ders.: Das Vermächtnis des verlorenen Sohnes. Roman der Trilogie Funken im Abgrund. Bd. 3. Lüneburg:
Zu Klampen 1996. [Zit. als Vermächtnis].
Ders.: Die Blutsäule. Zeichen und Wunder am Sereth. Hg. v. Ingolf Schulte. Lüneburg: Zu Klampen 1997.
[Zit. als B]
Ders.: Flucht in Frankreich. Ein Romanbericht. Lüneburg: Zu Klampen 1998. [Zit. als Flucht].
Ders.: Der Tod ist ein Flop. Lüneburg: Zu Klampen 1999. [Zit. als Tod].
Ders.: Dramen, Feuilletons, Fragmente. Lüneburg: Zu Klampen 2000. [Zit. als Dramen].
Ders.: Kritiken, Berichte, Tagebücher. Lüneburg: Zu Klampen 2001. [Zit. als Kritiken].
Sekundärliteratur
Anglmayer, Irmgard: Soma Morgenstern im Exil – eine Spurensuche. Dipl. [masch.] Wien 1997.
Arendt, Hannah: Eichmann in Jerusalem. Von der Banalität des Bösen. München: Piper 2000.
Berg, Nicolas / Jochimsen, Jess / Stiegler, Bernd (Hg.): Shoah. Formen der Erinnerung. Geschichte,
Philosophie, Literatur, Kunst. München: Fink 1996.
Berkovits, Eliezer: Das Verbergen Gottes. In: Brocke, Michael / Jochum, Herbert (Hg.): Wolkensäule und
Feuerschein. Jüdische Theologie des Holocaust. Gütersloh: Kaiser 1993, S. 43-52.
Bolbecher, Siglinde / Kaiser, Konstantin (Hg.): Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien: Deuticke
2000.
Brocke, Michael / Jochum, Herbert (Hg.): Wolkensäule und Feuerschein. Jüdische Theologie des
Holocaust. Gütersloh: Kaiser 1993.
Eidherr, Armin: Selbst Satan wandte sein Engelgesicht ab. Soma Morgensterns Die Blutsäule. In: Literatur
und Kritik, H. 323/324 (April 1998), S. 91-93.
Hutner, Yitzchok: „Bürde der Erwählung“. In: Brocke / Jochum 1993. 31-42.
Kitzmantel, Raphaela: Soma Morgenstern und seine Romantrilogie Funken im Abgrund. Unter besonderer
Berücksichtigung von Der Sohn des verlorenen Sohnes (Bd. 1). Dipl. [masch.] Wien 1997.
Dies.: Soma Morgenstern. Leben und Schreiben im Schatten der Geschichte. Biographie. Diss. [masch.]
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Dies.: „Eine Überfülle an Gegenwart“In: www.kakanien.ac.at/beitr/fallstudie/RKitzmantel1.
Körte, Mona: Der Krieg der Wörter. Der autobiographische Text als künstliches Gedächtnis. In: Berg /
Jochimsen / Stiegler 1996, S. 198-211.
Salamander, Rachel (Hg.): Die jüdische Welt von gestern. 1890-1938. Text- und Bildzeugnisse aus
Mitteleuropa. München: dtv 1998.
Schulte, Ingolf: Nachwort des Herausgebers. In: Morgenstern 1997, S. 175-193.
Steiner, George: Das lange Leben der Metapher. Ein Versuch über die Shoah. In: Akzente 3 (1987), S. 24-
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Traverso, Enzo: Auschwitz denken. Die Intellektuellen und die Shoah. Hamburg: Hamburger Ed. 2000.

Source: http://www.literaturepochen.at/exil/multimedia/pdf/morgensternhaidvogel.pdf

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